
Porzellan sammelt Dorothea Paulsen aus Hüllerup seit ihrer Kindheit. Aus ihrem Hobby entwickelte sie die bekannte „Porzellanbörse“, an der Sammler ihr lückenhaftes Service vervollständigen können.
Hüllerup/rf – Die Namen der Zutaten klingen unspektakulär und ziemlich chemisch- technisch: Kaolin, Quarz und Feldspat. Mit Wasser vermischt, in Form gepresst und mit viel Hitze entsteht daraus Alltägliches – Porzellan. Oder auch etwas Besonderes, das nur bei besonderen Anlässen auf den Tisch kommt, an Feiertagen etwa oder bei wichtigen Gästen. Nicht selten werden dann Erbstücke aus dem Vitrinenschrank hervorgeholt, aus denen schon Oma und Opa Kaffee getrunken und davon leicht ein Stück Friesentorte gegessen haben. Schön sollen der Kaffeetisch oder die festliche Tafel aussehen, und edles Porzellan ist die beste Basis dafür. Schade nur,wenn das alte Service nichtmehr vollständig ist: Filigrane Tassen haben am ehesten die Neigung, „Glück“ zu bringen, aber auch Teller oder Kannen sind schnell angestoßen oder gehen zu Bruch. Ersatz für ältere Serviceteile ist nicht immer zu bekommen – aus Kostengründen halten Porzellanmanufakturen kaumTeile vor.Woher also den raren Ersatz bekommen, der das alte Erbservice erst vollkommen macht?
Eine relativ große Chance dafür bietet ausgerechnet ein Bauernhof im Handewitter Ortsteil Hüllerup: Dort liegt das Porzellan-Paradies von Dorothea Paulsen. Die ehemalige Landfrau betreibt im hohen Norden eine mittlerweile sehr bekannte „Porzellanbörse“. Anfragen nach seltenen Ersatzstücken für Porzellanservices aller Art kommen aus ganz Europa und sogar aus denUSA und von„down under“, also Australien – dem Internet sei Dank. Helfen kann die Spezialistin für Porzellanersatz in vielen Fällen: Sie hat gewissermaßen „alle Tassen im Schrank“, wie das Hamburger Abendblatt vor einigen Jahren titelte. Sogar große Manufakturen wie Villeroy & Boch, Rosenthal oder Wedgewood aus England verweisen in die Provinz nach Hüllerup.
Dabei fing alles ganz bescheiden an. „Schon als Kind hatte ich ein Faible für Antikes, besonders für Porzellan“, sagt Dorothea Paulsen. Die Liebe zum Detail hat sie von Omas und Tanten übernommen, die sie schon frühmit schönen Stücken beschenkten. Auf Flohmärkten wurden weitere Teile aufgestöbert – und gesammelt. „In unserem Haus waren praktisch alle waagerechten Flächen mit Porzellan vollgestellt: Fernseher und Kachelofen, alle Schränke, sogar im Stall“, erinnert sich Hans-Jakob Paulsen, Ehemann, ehemaliger Landwirt und inzwischen ebenfalls vomPorzellan- Fieber angesteckt. Vor zehn Jahren wurde aus dem Hobby dann Profession: Immer mehr Landfrauen fragten Dorothea Paulsen, ob sie nicht ein Ersatzteil für ein bestimmtes Service hätte. Ausgestellt hatte sie auf einem Landfrauentag inRendsburg.Danach gab es kein Halten mehr: Die Anfragen nahmen zu, die Sammler-Ankäufe ebenfalls.Nach einem Ausbau des landwirtschaftlichen Betriebes Mitte der 90er wurde ein Stall zum Porzellanlager. Die Nachbarn belächelten die „Porzellanbörse“ zunächst, die auf knapp 80 Quadratmetern Informationen und Porzellanteile austauschte. Aber die Resonanz war riesig, besonders als die „Porzellanbörse“ 1999 um ein Hofcafé erweitert und der Stall ausgebaut wurde. Die Berichterstattung in allenMedien vervielfachte die Bekanntheit der Börse. „Wir ahnten damals allerdings nicht, welch Besucherströme auf uns zukommenwürden“, erzählen Dorothea und Hans-Jakob Paulsen. Werbung haben sie selbst nie machen müssen. Heute ist die „Porzellanbörse“ eine Quelle für Porzellanersatz und gleichzeitig eine regionale touristische Attraktion. Die vielen Besucherbussemüssen sich anmelden. Das Ehepaar Paulsen kümmert sich inzwischen hauptberuflich um ihre „Börse“, vermittelt sogar andere Ausflugsziele in der Region. Zwei Töchter und zwei Teilzeitkräfte helfen mit, der Sohn führt seit drei Jahren die Landwirtschaft selbstständig weiter. Zum zehnjährigen Jubiläum wurde die „Porzellanbörse“ jetzt auf rund 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche erweitert: Die „Sammlung Paulsen“ wirkt wie einMärchenland für Erwachsene, das traumhafte Bilder vermittelt, die auch Porzellanlaien ansprechen. Im Hofcafé gibt es Selbstgebackenes: „Wir stellen wohl mehrere Tausend Torten im Jahr her“, erzählen Dorothea und Hans-Jakob Paulsen. Genau wissen sie es nicht. Auch die Zahl ihrer fabelhaften Porzellanteile, alle übrigens gebraucht, können sie nicht annähernd beziffern. Die Schätze des Familienbetriebs bestechen auch ungezählt durch ihre Schönheit, und sind durch die weltweite Nachfrage ein Stück Globalisierung in Form von feinem Porzellan – „collected in Hüllerup“.
Aktuelles:
03.03.2012 - Porzellandoktorin
Unser Porzellandoktorin Sandra Hinrichsen ist am 03.03.2012 in der Zeit von 14 - 18 Uhr in unserem Hause
Öffnungszeiten:
Unser Hof-Cafe hat von
Mittwoch bis Sonntag
14 bis 18 Uhr geöffnet
(Gruppen ab 25 Pers. auf Anmeldung auch an anderen Tagen)
Wichtige Infos:
Der Ankauf ist nur nach vorheriger Terminabsprache möglich!



